Samstag, 29. August 2026

Wir haben Sie leider nicht angetroffen


Der Paketdienst war da. Angeblich. Man selbst war ebenfalls da. Nachweislich. Zwischen diesen beiden Tatsachen liegt das moderne deutsche Logistikwunder.

Die Benachrichtigung lautet: „Wir haben Sie leider nicht angetroffen.“ Das ist bemerkenswert, denn man saß seit acht Uhr im Flur, trug Schuhe und hatte den Klingelton des Handys ausgeschaltet, um das Klingeln der Tür nicht zu überhören. Wahrscheinlich war man zu anwesend. Das wirkt verdächtig.

Die Paketverfolgung ist ohnehin große Literatur. Um 7:12 Uhr befindet sich die Sendung im Zustellfahrzeug. Um 7:13 Uhr heißt es: „Noch 47 Stopps.“ Um 14:58 Uhr sind es noch drei. Um 15:01 Uhr wurde das Paket erfolgreich in einem Paralleluniversum zugestellt.

Besonders beliebt ist der Ablageort. Man wählt „vor der Wohnungstür“. Der Fahrer versteht darunter offenbar „hinter dem Altpapiercontainer des Nachbarhauses“. Das Paket bekommt dadurch etwas Abenteuerliches. Man bestellt eine Zahnbürste und erhält eine Schatzsuche.

Manchmal wurde die Sendung bei einem Nachbarn abgegeben. Welcher Nachbar, bleibt offen. Auf dem Zettel steht nur ein Name, der im gesamten Stadtteil nicht existiert. Vielleicht ist es der Fahrer selbst. Vielleicht lebt Herr Krzbln ausschließlich im Zustellsystem.

Dann die Abholstation. Sie liegt nicht weit entfernt, sagt die App. Nur 4,8 Kilometer, zwei Buslinien und ein Fußweg entlang eines Gewerbegebiets, in dem selbst Google Maps die Orientierung verloren hat. Öffnungszeiten: werktags von 10:17 bis 12:43 Uhr. Mittwochs nur bei zunehmendem Mond.

Vor Ort braucht man einen Ausweis, einen Abholcode und vermutlich eine Geburtsurkunde des Pakets. Der Code steht in einer E-Mail, die erst ankommt, nachdem man die Station wieder verlassen hat. Sicherheit muss sein. Es könnte schließlich jemand versuchen, unrechtmäßig an die bestellten Druckerpatronen zu gelangen.

Auch die Paketgröße folgt eigenen Gesetzen. Ein USB-Kabel kommt in einem Karton, in dem eine Waschmaschine Platz hätte. Der Karton enthält 80 Prozent Luft, 19 Prozent Papier und ein Prozent das Produkt. Nachhaltigkeit beginnt offenbar mit einem sehr geräumigen Nichts.

Der Paketbote selbst ist dabei nicht das Problem. Er soll in einer Minute zustellen, parken, klingeln, warten, Treppen steigen, unterschreiben lassen und nebenbei das europäische Verkehrsproblem lösen. Die eigentliche Maschine dahinter hat entschieden, dass Zeit ein theoretisches Konzept ist.

Am Ende findet man das Paket doch. Es steht seit Stunden direkt vor der Tür, obwohl man fünfmal nachgesehen hat. Vielleicht war es unsichtbar. Vielleicht hat es gewartet, bis niemand hinschaut. Hauptsache, die Sendung gilt als erfolgreich zugestellt. Jetzt fehlt nur noch der Inhalt.