Der deutsche Sonntagsausflug dient der Erholung. Deshalb steht man früh auf, packt das halbe Haus ins Auto und fährt gemeinsam mit allen anderen Menschen an denselben See.
Die Vorbereitung beginnt am Samstagabend. Wanderschuhe, Regenjacke, Sonnencreme, Thermoskanne, Pflaster und drei Sorten Brot. Für einen zweistündigen Spaziergang ist man ausgerüstet wie für eine Polarexpedition.
Am Parkplatz angekommen, stellt man fest: Die Natur ist voll. Autos kreisen auf der Suche nach einer Lücke, während Menschen in Funktionskleidung ernsthaft über die Ruhe des Waldes sprechen.
Der Wanderweg beginnt mit einem Schild: „Leichte Strecke“. Nach 400 Metern führt er senkrecht einen Berg hinauf. Kinder fragen, wann man wieder zu Hause ist. Erwachsene antworten „gleich“, obwohl noch neun Kilometer vor ihnen liegen.
Entgegen kommen Nordic Walker, Mountainbiker, Kinderwagen und ein Rentnerpaar, das den gesamten Weg nebeneinander beansprucht. Begegnungsverkehr in der Natur funktioniert wie auf deutschen Autobahnen, nur mit Wanderstöcken.
Zur Belohnung kehrt man in ein Ausflugslokal ein. Dort warten bereits 200 andere Erholungssuchende. Die Bedienung erklärt, Kuchen sei aus, warme Küche beginne in zwei Stunden. Man bestellt ein Apfelschorle und fühlt sich wieder vollständig urbanisiert.
Am Seeufer sucht die Familie einen ruhigen Platz. Nebenan spielt Musik, ein Hund schüttelt Wasser auf die Picknickdecke und ein ferngesteuertes Boot attackiert die Enten. Natur ist wunderschön, solange sie gut organisiert und ausreichend bewirtet ist.
Am Abend steht man im Rückstau. Alle sind erschöpft, die Kinder schlafen, und jemand sagt: „Das sollten wir öfter machen.“ Niemand antwortet. Erholung erkennt man daran, dass Montag plötzlich wie eine Pause wirkt.