Im Restaurant gibt es keine Speisekarte mehr. Auf dem Tisch steht ein QR-Code. Das ist moderner und hygienischer. Statt einer Karte berühren jetzt alle dieselbe kleine Plastikpyramide und anschließend ihr Telefon.
Man scannt den Code. Das Handy öffnet eine 48 Megabyte große PDF-Datei. Auf Seite eins steht die Geschichte des Restaurants, auf Seite zwei das Nachhaltigkeitskonzept. Das Essen beginnt auf Seite 17, allerdings nur im Querformat.
Die Schrift ist so klein, dass man die Vorspeise versehentlich als Datenschutzerklärung akzeptiert. Der Gast am Nebentisch zoomt seit zehn Minuten in eine Tomatensuppe hinein.
Natürlich ist der Empfang schlecht. Das WLAN-Passwort hängt hinter der Bar, ebenfalls als QR-Code. Man benötigt also Internet, um Zugang zu dem Internet zu erhalten, das man für die Speisekarte braucht. Digitalisierung ist ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt.
Hat man endlich bestellt, kommt die Rechnung auf einem Tablet. Der Kellner dreht es freundlich um. Nun soll man Trinkgeld auswählen: großzügig, sehr großzügig oder „Ich lehne gesellschaftliche Teilhabe ab“.
Früher legte man diskret ein paar Euro auf den Tisch. Heute steht ein lächelnder Mensch daneben und beobachtet, wie man auf dem Bildschirm seine moralische Qualität festlegt. Noch nie waren 15 Prozent so persönlich.
Danach unterschreibt man mit dem Finger. Die Unterschrift sieht aus wie ein EKG während eines Stromausfalls. Das Gerät akzeptiert sie trotzdem. Die Bank kennt offenbar die Handschrift des modernen Menschen: verzweifelt und fettig.
Zum Abschied erhält man den Beleg per E-Mail. Dafür muss man nur die Adresse eingeben, den Newsletter abwählen und bestätigen, dass man kein Roboter ist. Das Essen war gut. Die Speisekarte lädt vermutlich immer noch.