Donnerstag, 27. August 2026

Hitzefrei für Erwachsene

Deutschland hat Sommer. Das erkennt man daran, dass die Bahn ihre Verspätungen jetzt nicht mehr mit „Personen im Gleis“, sondern mit „Personen in flüssigem Aggregatzustand“ begründet.

Bei 36 Grad verändert sich das Land. Aus Bürgern werden Grillbeilagen, aus Dachgeschosswohnungen werden Niedrigtemperaturöfen, und aus jedem Büro mit Klimaanlage wird plötzlich ein attraktiver Arbeitgeber. Früher lockte man Fachkräfte mit Dienstwagen. Heute reicht ein Ventilator, der nicht nach verbranntem Staub riecht.

Die Deutschen reagieren auf Hitze wie auf alles andere: mit Regeln. Im Freibad liegt morgens um sieben bereits das erste Handtuch auf der Liege. Der Besitzer kommt gegen drei. Das ist keine Reservierung, das ist koloniale Landnahme aus Frottee.

Dann die Kleidung. Kaum steigt das Thermometer über 28 Grad, tragen Männer kurze Hosen, die aussehen, als hätten sie beim letzten Ölwechsel schon mitgeholfen. Dazu Sandalen mit Socken – der Airbag unter den Sommeroutfits. Nicht schön, aber man fühlt sich auf unerklärliche Weise geschützt.

Auch die Medien leisten ihren Beitrag. „So überstehen Sie die Hitze“, heißt es zuverlässig. Der wichtigste Tipp: viel trinken. Danke. Ohne diese Information hätte die Nation geschlossen versucht, sich mit Knäckebrot zu hydrieren. Dazu der Hinweis, mittags keinen Marathon zu laufen. Wieder eine große Alltagssorge weniger.

Im Supermarkt beginnt währenddessen der Kampf um die letzte Wassermelone. Menschen, die sich sonst über Messerverbote unterhalten, greifen beim Sonderangebot plötzlich sehr entschlossen zum Küchenwerkzeug. Vor dem Kühlregal bilden sich Wohngemeinschaften. Einer holt Milch, die anderen sichern den Platz.

Die Klimaanlage bleibt natürlich moralisch umstritten. Sie verbraucht Energie, sagen die einen. Sie verhindert Mord, sagen die anderen. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo bei 22 Grad und mittlerer Gebläsestufe.

Besonders hart trifft es die Büros. Ab 30 Grad sinkt die Produktivität. Das ist wissenschaftlich interessant, weil viele Firmen damit erstmals einen messbaren Unterschied zum restlichen Jahr feststellen. In Videokonferenzen sitzt oben das Hemd, unten die Badehose. Führungskräfte nennen das „hybrides Arbeiten“.

Am Abend folgt das große Ritual: Fenster auf, Durchzug, Hoffnung. Draußen sind weiterhin 31 Grad, aber irgendwer behauptet, jetzt komme „ein bisschen Luft rein“. Es ist dieselbe Luft. Sie hat nur kurz den Balkon gesehen.

Und irgendwann kommt das Gewitter. Drei Tropfen fallen, die Wetter-App meldet Unwetterwarnung, und ganz Deutschland steht am Fenster wie früher beim Farbfernsehen. Danach riecht die Straße für zehn Minuten frisch, bevor der Asphalt wieder die Konsistenz von Raclettekäse annimmt.

Aber wir wollen nicht klagen. Der Sommer ist schließlich die schönste Zeit des Jahres. Das sagen vor allem Menschen mit Garten, Pool und einem Schlafzimmer, das nicht direkt unter dem Dach liegt. Für alle anderen gilt: ruhig bleiben, viel trinken und niemals Schwäche zeigen. Der Ventilator spürt Angst.

Dienstag, 6. Mai 2025

Gedankenakrobaten des Tages

Meine Damen und Herren, es ist mal wieder so weit. Der Herbst ist da. Blätter fallen von den Bäumen, wie die Aktienkurse mancher Unternehmen. Wobei, so mancher Baum ist stabiler als die Finanzwelt. Spricht man von Nachhaltigkeit, sollte man den Blick in den Wald richten. Da steht schon was länger als so manche Bank. Apropos Bank, haben Sie schon die neuen Gebühren gesehen? Man zahlt jetzt fürs Geld abheben. Früher hat man Geld bekommen. Komische Welt. Aber was soll's, Hauptsache die neue Apple Watch ist da. Da kann man dann sehen, wie arm man ist. In Farbe. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, falls Sie einen erwischen.

Montag, 5. Mai 2025

Gedankenakrobaten des Tages

Liebe Leserschaft, sagen Sie mal, ist Ihnen auch aufgefallen, wie leise es geworden ist? Das Sommerloch? Ach was, die Sommerlöcher sind doch die neuen Jahreshighlights. Nein, ich meine die Stille seit dem Aus für Twitter, äh, X. Kein Vogelgezwitscher mehr von, sagen wir mal, dem Chef von Tesla. Keine nächtlichen Ergüsse mehr von diversen, sagen wir mal, Politikern. Himmlische Ruhe. Aber keine Sorge, die Welt dreht sich weiter. Oder doch nicht? Die Wissenschaftler streiten sich ja noch, ob die Erde eine Scheibe ist. Falls ja, gute Nachricht: Dann fallen wir wenigstens nicht runter. Falls nein, wohin rollen wir dann? Fragen über Fragen. Apropos Fragen: Haben Sie schon Ihre Steuererklärung gemacht? Ich auch nicht. Wer braucht schon Geld, wenn man Humor hat? In diesem Sinne: Bleiben Sie heiter, äh, halblustig! ##

Sonntag, 4. Mai 2025

Gedankenakrobaten des Tages

Liebe Landsleute, verehrtes Studiopublikum! Ein Tag, ein Polit-Desaster. Oder, wie man in Berlin sagt: "Business as usual". Haben Sie's gehört? Der Wirtschaftsminister preist die Digitalisierung. Als ob er's erfunden hätte. Erinnert mich an meinen Onkel Erwin. Der hat auch immer die Erfindung des Rades bejubelt. Und fuhr trotzdem Traktor. Aber lassen wir das. Wichtig ist doch: Wir haben's überstanden. Den Tag. Die Woche. Fast. Schönes Wochenende. Oder was davon übrig ist. PS: Onkel Erwin grüßt. Er hat jetzt 'nen Smart. Mit Navi. PPS: Die Digitalisierung lässt grüßen. PPPS: Ich nicht.

Mittwoch, 30. April 2025

Gedankenakrobaten des Tages

Meine Damen und Herren, guten Abend. Ja, der Sommer ist da, und was macht man? Man schwitzt. So ist das eben. Aber hey, es gibt Schlimmeres. Könnte ja regnen. Oder Schnee. Im Juli! Stellen Sie sich das mal vor. Brrr. Apropos Juli, haben Sie schon alle Geschenke für Weihnachten? Nein? Na dann mal los. Zeit wird's. Sie meinen, es ist noch ein bisschen früh? Papperlapapp! Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und das Christkind. Mit leeren Socken. In diesem Sinne: Schönen Sommer noch. Und denken Sie dran: Lachen ist gesund. Vor allem über andere. Just kidding. Oder? Bis die Tage. Ihnen allen eine angenehme Restwoche. Bleiben Sie mir gewogen. Ciao. Und tschüss. Weg. Aus. Ende. Punkt.