Dienstag, 1. September 2026

Gefühlt leichter Weltuntergang


Früher schaute man aus dem Fenster, um das Wetter zu erfahren. Heute schaut man auf fünf Apps und anschließend aus dem Fenster, um festzustellen, welche davon gelogen hat.

Die eine App meldet Sonnenschein. Die zweite warnt vor Starkregen. Die dritte erklärt, es seien „gefühlte 14 Grad“. Gefühlte Temperatur ist ein schönes Konzept. Auch mein Kontostand fühlt sich deutlich höher an, trotzdem akzeptiert der Supermarkt diese Messmethode nicht.

Besonders eindrucksvoll sind Unwetterwarnungen. Das Telefon vibriert dramatisch: Gefahr für Leib und Leben. Draußen bewegt sich ein Blatt. Der Deutsche bleibt trotzdem vorsichtig und stellt vorsorglich die Balkonmöbel zwei Zentimeter näher an die Wand.

Der Regenradar zeigt eine präzise blaue Wolke, die in exakt 17 Minuten das Haus erreichen soll. Man wartet. Nach 17 Minuten scheint die Sonne. Der Regen fällt offenbar ausschließlich auf das Rechenzentrum.

Auch die Prozentangaben helfen. 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Bedeutet das, dass es bei 40 Prozent der Menschen regnet? Oder dass jeder Tropfen nur zu 40 Prozent nass ist? Meteorologie ist die Kunst, hinterher erklären zu können, warum die Vorhersage eigentlich richtig war.

Für Ausflüge packt man deshalb alles ein: Sonnencreme, Regenschirm, Winterjacke und kurze Hose. Man verlässt das Haus wie eine mobile Kleiderkammer und ist trotzdem falsch angezogen.

Die App kennt außerdem das Wetter in zwölf Tagen. Um 14 Uhr leichter Regen, ab 14:23 Uhr trocken. Das ist erstaunlich, weil dieselbe App nicht einmal weiß, was gerade vor dem Fenster passiert.

Am Ende wird das Wetter besser als angekündigt. Sofort sind alle enttäuscht, weil sie den Grillabend abgesagt haben. Der moderne Mensch möchte nicht gutes Wetter. Er möchte, dass seine App recht behält.