Das Fitnessstudio ist der einzige Ort, an dem Menschen einen Vertrag abschließen, um regelmäßig nicht hinzugehen. Die Abbuchung jeden Monat ist immerhin konsequent. Der Körper verändert sich kaum, aber das Konto wird zuverlässig schlanker.
Im Januar herrscht Hochbetrieb. Sämtliche Geräte sind besetzt von Leuten mit neuen Schuhen, neuen Flaschen und einer Entschlossenheit, die ungefähr bis zum 19. Januar reicht. Im Februar gehört das Studio wieder den drei Männern, die dort vermutlich wohnen.
Der Trainingsplan beginnt mit Aufwärmen. Zehn Minuten Laufband. Man läuft und läuft, bleibt aber am selben Ort. Eine perfekte Vorbereitung auf das Berufsleben.
Danach kommt ein Gerät, das aussieht wie ein mittelalterliches Verhörinstrument. Auf dem Aufkleber lächelt ein anatomisch perfekter Mensch. Man setzt sich hinein, zieht am falschen Hebel und trainiert offenbar eine Muskelgruppe, die nur bei Tiefseefischen vorkommt.
Zwischen den Übungen blickt man in den Spiegel. Fitnessstudios besitzen mehr Spiegel als ein Schloss, aber niemand wirkt dadurch königlich. Die einen betrachten ihre Muskeln. Die anderen prüfen, ob sie schon überzeugend erschöpft aussehen.
Sehr wichtig ist die Sportuhr. Sie misst Schritte, Puls, Sauerstoff, Schlaf und vermutlich moralische Schwäche. Nach 20 Minuten meldet sie: „Bewegungsziel erreicht.“ Man bedankt sich und geht zur Belohnung einen Proteinshake trinken, der so viele Kalorien hat wie ein Familienessen.
In der Umkleide diskutieren Menschen über Eiweiß, Regeneration und Stoffwechsel, als bereiteten sie eine Marsmission vor. Anschließend fahren sie mit dem Aufzug ins Parkhaus.
Der Vertrag läuft natürlich zwölf Monate. Kündigen kann man nur schriftlich, persönlich und während einer seltenen Mondfinsternis. So bleibt man Mitglied, zahlt weiter und besitzt wenigstens eine sportliche Identität. Training ist schließlich Kopfsache. Besonders, wenn man gar nicht hingeht.